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Stadt der Mörder – Britta Habekost

Wow. Was für ein schönes Buch. Gebunden ist es. Ein Bändchen ist mit dabei. Aber darum geht es nicht. Auch ist es nicht wirklich „meine Zeit“ (die Handlung spielt im Winter 1924) und auch nicht mein favorisierter Ort der Handlung (wir befinden uns in Frankreich, genauer gesagt Paris). Aber auch das ist nicht wichtig. Der Klappentext hatte mich angezogen, also wollte ich es auch lesen, zugegeben etwas skeptisch, aber im Laufe der Lektüre zunehmend zufrieden mit dieser Buchauswahl.

Britta Habekost hat ein kleines Meisterwerk zu Papier gebracht. Auf 450 Seiten erzählt sie die Geschichte von Lysanne, von ihrer Schwester Mira, von einer verloren geglaubten Liebe, vom Kommissar Vioric und dessen Bruder, aber auch von einer Zeit in der der Surrealismus seine Blüten treibt. Sehr behutsam nimmt sie den Leser bei der Hand und führt ihn – Kapitel für Kapitel – in einer sehr schönen, weichen Sprache durch eine scheinbar grausame Welt auf der einen und durch eine wilde, verrückte Zeit auf der anderen Seite.

Die grausamen Morde die just zu dieser Zeit in Paris geschehen, scheinen keinem Muster zu folgen. Vioric tappt im Dunkeln. Einige Beweise führen Vioric in die Passage de l’Opéra, zu einer jungen Frau, die sich auf der Suche nach ihrer Schwester in größte Gefahr begeben hat. Doch noch weiß sie nichts davon. Sie ist bereits dem Charme der Pariser Dichter und der betörenden Schönheit der Stadt verfallen. Nicht ahnend, dass sie der Schlüssel zu allem ist. Nicht ahnend, dass sie bereits im Visier des Mörders steht … Die Protagonisten des Romans, so erfährt der Leser im Nachwort, sind nicht allesamt fiktive Charaktere sondern Britta Habekost versteht es geschickt Realität, Geschichte in einem Roman zu verweben. So erhält auch damals so aufstrebende Surrealismus eine „Bühne“ in dieser Geschichte.

Gelegentlich überlegt man, ob der „Krimi“ die Story ist, oder mehr die Liebesgeschichte zwischen Lysann und Aragon, ob es eine Erzählung vom Leben der Breton Clique sein soll oder eine Abhandlung über so manche Abgründe des Menschen und ihrer Abhängigkeiten. Geschickt tragen eine Reporterin und ein Polizeichef ebenso zur Spannung bei, wie der ein oder andere Hinweis im Laufe der Erzählung.

Man liest sich wunderbar durch die Zeilen, zu keinem Zeitpunkt kommt Langeweile auf und das charmante ist, man (also in dem Fall ich) hat zu keinem Zeitpunkt den Drang unbedingt den Mörder identifizieren zu wollen, nein, man liest einfach weiter, man ist sowieso in der Handlung, der Stadt, dem Ort „gefangen“ Natürlich offenbart sich im Finale, welches sich zwar irgendwie ankündigt, dann auch das „hässliche Gesicht“ des Peinigers und seine Leidensgeschichte und auch hier schreibt Habekost unbeirrt in ihrer schönen Sprache weiter. Sie braucht kein Feuerwerk und Spezialeffekte, sie beherrscht einfach die Kunst der Erzählung mit Spannung zu verweben.

Fazit:

ein tolles Buch. Lesenswert ohne wenn und aber. ***** / und sogar mit Lesebändchen, gibt einen * extra

(c) udomittendrin.de, Mär22

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