Improfeten

Improfeten im Café Weinmüller

Überraschende Momente und schmerzende Zwerchfelle

Bereits zum dritten Male gastierten die Improfeten mit ihrem „Programm“ im Café Weinmüller. Womit wir schon beim Thema wären: „Programm“ ist der völlig falsche Ausdruck. Es gibt kein Programm, auch proben kann man das nicht wirklich, maximal üben. Das Programm, welches keines ist, besteht aus dem Moment. Aus dem zugerufenen Schlagwort oder einer sich willkürlich entwickelnden Szene, welche die fünf Protagonisten ad hoc entstehen lassen. Da passiert es nicht selten, dass „aus Kammerjäger“ und Boris Becker jemand wird, der sich eben „gut mit Kammern auskennt“. Geniale Momente.

Sandra Meier, der kreative Kopf der Truppe aus Reichenhall, Boris Bregar der sportive Schalk, die charismatische Dani Mitterer sowie der äußerst souverän improvisierende Thomas Stegmann gaben einmal mehr ihr Stelldichein im vollbesetzten Weinmüller. Unterstützt wurden sie erstmals von Laura Gabler, die sich nahtlos in das Impro-Quintett einfügte. Improvisationstheater als Lebenselixier. 

Die Reichenhaller Truppe schreibt nun seit geraumer Zeit „Impro“-Geschichte, improvisieren, dass sich die Balken biegen. Da haspelt der Tourtet Psychologe Ansgar (Thomas Stegmann) heftige Wortbilder, der entsteht eine Nudelholzstory der besonderen Art mit vielen, vielen Wendungen. Da antwortet Hans aus dem Publikum, als nach einem „Gegenstand“ gesucht wird, sehr charmant und spontan laut und deutlich mit „meine Frau“. „Das hatten wir noch nie“ lacht Sandra Meier und weiß ebenso wie Gattin Simone, die nun unversehens auf der Bühne steht, gar nicht wie ihr geschieht. 

„Das besondere an diesem Abend ist die Energie die in diesem Raum entsteht“ verrät ein sichtlich bewegter Boris Bregar, der auch nach dem Auftritt noch nach Luft ringt. Sandra ergänzt mit dem Hinweis auf das „wahnsinnige Publikum im Weinmüller“, man „verliert Zeit und Raum, Zuhörer und Schauspieler verschmelzen, die Geschichten sprudeln geradezu heraus, … der absolute (seltene) Höhepunkt für die Impro-Spieler“ erzählt sie sichtlich glücklich nach der Show. 

 Alles in allem einmal mehr ein wunderbar überraschender Abend, bei dem man sicher nicht erhält, was man erwartet, sondern weit mehr: Kurzweil, Momente der besonderen Art, abstruses, irrwitziges aber vor allem Improvisation vom Feinsten. Gerne auch ein viertes Mal.

*** © Udo Kewitsch, 05.01.18 ***

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