Shakira

Löwenmähne und Nabelpop

schon ein paar Tage älter, dieser Text …. aber immer noch lesenswert … und außerdem: die Bilder. Seufz.

Shakira souverän in der ausverkauften Münchner Olympiahalle

Der Bauchnabel. An und für sich eine nicht weiter spektakuläre Einrichtung. Versorgte er uns seinerzeit mit Lebensnotwendigem, so fristet er sein Dasein fürderhin zumeist unbeachtet in des Körpers Mitte. Lediglich die Mode der letzten Jahre bescherte ihm wieder durch zu kurz geschnittene T-Shirts und Pullis die wohl verdiente Aufmerksamkeit.

Soweit die Alltags-Theorie. Diese ändert sich umgehend, wenn man das Wort Bauchnabel und Shakira in einem Atemzug verwendet. Männeraugen beginnen zu leuchten, Herzen schlagen schneller und die Atmung wird latent hektischer.

Vergangenen Sonntag war es wieder soweit. Leuchtende Augen (oder ersatzweise teuer gekaufte Stäbchen), trommelnder Puls und steigende Kreislaufaktivität in der restlos ausverkauften Olympiahalle. Shakira und ihr Bauchnabel waren on Tour. Oral Fixatation Tour, um genau zu sein.

Shakira Isabel Mebarak eröffnet nach einem eindrucksvollen Instrumental Intro mit dem Hit „Don´t bother“ und setzt somit ihre einzigartige Stimme als auch den dazu gehörigen Körper samt Bauchnabel sofort in Szene. Man muss sich konzentrieren. Die Koordination zwischen Auge und Ohr will gut abgestimmt sein, beide Sinne werden für die nächsten 90 Minuten gleichermaßen gefordert und geflutet.

Shakira präsentiert sich gut gelaunt, allerdings für meinen Geschmack ein wenig distanziert. War im April 2003 (Moongoose Tour) der Small Talk mit dem Publikum noch stark ausgeprägt, so ist es diesmal gegenteilig. Shakira widmet sich der Bühne und nimmt bar- und leichtfüßig den gesamten Raum in Anspruch. Wer eine Show (zusätzlich zur Nabel-Schau) erwartet, sieht sich enttäuscht. Dieses Mal kein Feuerwerk, keine übermächtigen Monitore, sondern lediglich 2 kleine Bildschirme und ab und an ein großer fallender vanillefarbener Vorhang – der orakelhaft das kommende verhüllt und gleichzeitig ankündigt.

Künstlerisch ambitioniert dann auch die Ballet Einspielung und der anschließende Song „Estoy Aqui“ der wie alle anderen einfach für Begeisterung sorgte. Shakira verzichtet bewusst auf schmückendes Beiwerk, wenngleich die Garderobe regelmäßig wechselt, benötigt nur ein einziges Mal sechs zusätzliche Bauchtänzerinnen, die die Männerwelt nun restlos durcheinander brachten.

Spaß am Spiel und vor allem am Nabelwirbel hat sie, dass ist spürbar. Das ist ihr Terrain. Und als ob dieser Hüft-Taifun nicht schon genug wäre. Was macht Shakira? Sie verlagert den Becken-Schwung einfach eine Etage nach oben, und lässt ihre wohlgeformten Rundungen inklusive des gesamten Brustkorbes im Takt zucken. Das Percussion Duo im Hintergrund spielt fehlerfrei dazu.

Shakira, die vor wenigen Tagen ihren 30igsten Geburtstag feierte, hat über vierzig Millionen Tonträger verkauft. Sie hat nicht nur bei den Grammy und MTV-Awards ordentlich abgeräumt, sie beherrscht den Latino-Rock und -Pop ebenso wie die Klaviatur des sozial kritischen. Die „Fundación Pies Descalozos“ (Stiftung Barfuß) wurde von Shakira 1997 ins Leben gerufen und widmet sich den kolumbianischen Strassenkindern. Ein Engagement, welches Shakira im Jahre 2003 auch den Titel der UNICEF Botschafterin einbrachte.

Botschaften vom Stile des „Whereever, whenever“ wurde ebenso wenig vergessen wie das aktuelle „Hips don´t lie“ oder der wahrhaft wunderschöne Song „Underneath your Clothes“ aus ihrem 2002er Album „Laundry Service“.  Die Olympiahalle war dankbar.

Wermutstropfen des Abends schließlich das doch eher abrupte Ende, als nach knapp neunzig Minuten Spielzeit eine kurze Zugabe folgt und der Konfettiregen sich ohne weitere Vorankündigung im hellen Neonlicht wieder findet.

Was man Shakira letztlich nicht übel nimmt. Knapp zwei Stunden latino Nabelpop, knapp zwei Stunden Augen- und Ohrenzauber. Einer der nächsten Titel wird mittlerweile schon gehandelt „Belly Button´s dont lie“. Raten Sie mal, was „Belly Button“ heißt.

*** © Udo Kewitsch / Zeichen  3.894 / Zeilen 74 ***

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