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Peter Gabriel

Peter Gabriel  – das Urgestein mit 3 Gang Menü

Genesis Gefühle in der Salzburg Arena

Peter Gabriel, der Genesis Veteran ist zurück. Genauer, er ist „Back to Front“ – wie seine Jubiläums Tour heißt. Er schrieb Musikgeschichte, seine legendäre Band Genesis ging (spätestens) in den 80iger und 90iger Jahren durch die Hitparaden und hinterließ in den 70igern mit dem Genesis-typischen Sound markante Meilensteine im Bereich des Progressiv-Rock. Grund genug 25 Jahre nach Erscheinen seines fünften Albums „So“, das ihn an die Spitze der US-Charts brachte, einen Mix aus beiden Stilrichtungen zu präsentieren.

Gabriel serviert ein Drei-Gänge-Menü: „Dieses Konzert ist wie ein Essen. Vorspeise: eine akustische Session. Hauptgang: der elektronische Teil. Und wenn ihr das überlebt habt, dann gibt es als Nachspeise das komplette Album ‚So'“, liest er ab. In Deutsch.

Peter Gabriel in Jubiläumslaune. Wenn schon, denn schon, muss er sich gedacht haben, als er seine Musik-Kollegen und Freunde für diese Tour rekrutierte: die Erfolgsformation aus dem Jahre 1987 stand in der Salzburg Arena erneut auf der Bühne und gab die Highlights zum besten: Originalhits in der Originalbesetzung. Wann wird dem (ebenfalls alternden) Fan nach einem Vierteljahrhundert so ein Menü geboten?

Der charismatische David Rhodes an der Gitarre, am Bass der selten coole Tony Levin, am Keyboard unauffällig bescheiden David Sancious und am Schlagzeug eindrucksvoll Manu Katché. Die Hits – vom souligen Tophit „Sledgehammer“ bis „Don´t give up“, das satirische „Big Time“ und auch „Don’t Give Up“, damals ein legendäres Duett mit Kate Bush, kam ebenso zielsicher ins Ohr, wie der etwas kitschige Song „In Your Eyes“, vom Soundtrack des Films „Teen Lover“.

Peter Gabriel war noch nie ein Tänzer, abgehackt und eckig seine Bewegungen, stimmlich gibt es in der Szene sicher auch größere Glanzlichter, und doch ist der 1950 in England geborene Musiker präsent wie eh und je. Seine Show glänzt eindrucksvoll mit Lichtkanonen, im ersten Teil eher hell, dann farbig, später mitunter düster orakelnd – wenngleich die schon fast als Waffengewalt inszenierten und quer durch die Bühne geschobenen Strahler verzichtbar gewesen wären. Auch das mittige Fadenkreuz auf dem Podest, auf dem sich Peter Gabriel einen Song lang liegend räkelt, ist als Stilmittel entbehrlich. Einerlei, Peter Gabriel präsentiert sich relaxt und seine Jungs folgen ihm blind. Der Kenner identifiziert schnell die psychedelischen Genesis Anteile des Konzerts und hört auch deutlich die neuere, teils seichte,  Hit Generation heraus. Wie auch immer, das Publikum ist begeistert, der Saal wippt. 

Es ist kein Feuerwerk, welches da brennt, aber eine eindrucksvolle Musikmesse. Der Engländer trabt quer von Flügel zu Keyboard, von Scheinwerfer zu Scheinwerfer, lässt sich von einem großen Tuch mystisch verhüllen und steigert sich von Song zu Song. Insgesamt einundzwanzig sollten es an diesem Abend sein. Und auch seine Botschaft bringt er allen Anwesenden nah. Zu Beginn und gegen Ende jeweils in akzentgefärbtem Deutsch verliest er seinen Text, der aufrütteln soll und gleichzeitig ein Appell an die Menschlichkeit ist.

Gegen Ende des Konzert, dem eine gewisse (Gabriel typische) Düsterheit innewohnt, wählt der Botschafter eine klare Geste. Der ehemals der Anti-Apartheid geltenden „Biko“ Komposition geht eine beschwörende (deutsche) Message voraus. Das Thema Apartheid ist vorbei und doch schafft Gabriel den Spagat. „It s up to you“ schmettert er und verlässt die Halle, die einsam und minutenlang noch den Refrain wiederholt, bevor der letzte Musiker von der Bühne tritt. Ein Menü, eigenwillig aber gut, ganz der Koch.

*** © Udo Kewitsch, 16.11./ Zeichen 3646 /  Zeilen 54   ***

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