Unschuldig

Zäh

Amy Lloyd greift in Ihrem Roman „Unschuldig“ ein durchaus aktuelles Thema auf. Es gibt sie tatsächlich, jene Frauen, die sich von (unschuldig?) Inhaftierten angezogen fühlen, Brieffreundschaften beginnen und nicht selten ist die Hochzeit der Höhepunkt dieser scheinbar seltsamen Liebelei.

So auch in dieser Story, die auf den ersten 100 Seiten spannend beginnt und erzählt wie Sam den (unschuldig?) Verurteilten Dennis kontaktiert und mit ihm Zug um Zug tiefer in den Dialog kommt. Der von Daily Mail zitierte Klappentext „Hochspannender Thriller …. mit einem bewundernswerten Finale“ wird jedoch zu keinem Zeitpunkt wahr. Spätestens ab dem ersten Viertel wird die gesamte Handlung zäh wie kalter Honig und rettet sich von Streckkapitel zu Streckkapitel über viele, viele Seiten.

Leider werden auch zu keinem Zeitpunkt die handelnden Charaktere wirklich „lebendig“, geschweige denn authentisch. Einerseits haben Sam und Dennis geheiratet, andererseits ist die Beschreibung des Zusammenlebens derart oberflächlich und nur wenig logisch oder halbwegs nachvollziehbar. Liebevolle Geste und Wärme auf der einen Seite, Abwendung und Kühle auf der anderen, ohne Übergang, ohne erkennbare Logik oder nachvollziehbare Struktur im steten Wechsel. Beispiel (sinngemäß): „er küsst mich aufs Haar, nimmt mich in den Arm, er hört mir zu und versteht meine Gefühle“ .. zwei Sätze später „er geht in die Dusche, schließt die Tür ab, ich lege mich auf die Couch, er sich in sein Ehebett“. Warum, wieso, weshalb Dennis sich so verhält, warum Sam es sich sehnlichst etwas anderes wünscht, es aber zu keinem Zeitpunkt zur Diskussion stellt, wird dem Leser nicht offenbar. Es ist einfach so … über mehr als 150 Seiten lang.

Erst im letzten Viertel nimmt der Roman nochmals etwas Schwung auf, wenngleich es schwer fällt nach dem mühsamen Aufenthalt im elterlichen Haus von Dennis, wieder an Spannung zu glauben. Auch hier reiht sich Kapitel an Kapitel, auf einmal taucht ein alter Schulfreund unvermittelt auf, auf einmal gibt es eine Box, die geheimnisvolle Unterlagen enthält. All das wirkt letztlich mehr konstruiert und gestelzt als lebhaft „thrillerisch“ erzählt.

Fazit:

was gut beginnt, flacht leider allzuschnell ab und verliert im Hauptteil endgültig an Dynamik, Authentizität und Spannung. Die Charakter sind leb- und lieblos oberflächlich, das Finale unternimmt den Versuch des Aufbäumens, kann aber die zwei ** nicht verhindern.

*** (c) Udo Kewitsch, www.udomittendrin.de *** Aug 2020

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