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Crash – Susanne Saygin

Der Klappentext gibt Aufschluss:

Torsten Wolf steht unter Druck. Nach dem überraschenden Tod des Bauunternehmers Christof Nolden soll der Berliner Anwalt nun dessen Geschäfte lenken. Aber Wolf stößt im deutschlandweit agierenden Nolden-Konzern bald auf Ungereimtheiten – und auf massiven Widerstand im Unternehmen. Als Wolfs Assistentin spurlos verschwindet, deutet alles auf einen Zusammenhang mit den Geschäften des Immobilienkonzerns hin. Gemeinsam mit Isa Kurzeck, die bereits seit Jahren zu den kriminellen Machenschaften von Nolden-Bau recherchiert, versucht Wolf Licht ins Dunkel zu bringen. Aber je tiefer die beiden in die Konzernstrukturen eintauchen, desto deutlicher wird, dass es längst nicht mehr um die Geschicke eines Unternehmens geht, sondern um den Zusammenhalt unserer ganzen Gesellschaft.

Mein persönliches Leseerlebnis

Ich war gespannt. Und der Einstieg machte es mir leicht. Die Story nimmt schnell Fahrt auf und kommt gut rein „ins Buch“ … knapp 400 Seiten Wolf, Nolden und Isas Suche nach Mira. Dem Leser werden auch immer wieder „andere Spuren“ gelegt, die zu interpretieren nicht sofort jedermanns Sache ist. Bandenwerbung, Spruchplakate, wiederkehrende Slogans, die zunächst (scheinbar?) mit der Handlung nichts zu tun haben. Der Protagonist Torsten Wolf wird als Charakter gut vermittelt. Mit Verlaub, er scheint ein ziemliches Ekel zu sein, aber auch hier wieder: einerseits. Andererseits ist er der Vater, der einsame (leidende) Ehemann, verletzlich. Das Buch verstrickt sich gelegentlich etwas in der Erzählung, kommt nicht immer so ganz zügig voran und doch gelingt es der Autorin Saygin immer noch rechtzeitig der Haken zurück zum Strang. Die Erläuterung am Ende des Buches, machen es ein stückweit verständlicher – wenngleich mir persönlich diese Herleitung in die Welt der Politik und die gewollte Bezugnahme auf Rechtspopulismus und der Bekämpfung von selbigen einfach zu weit hergeholt ist. Wolf versucht über lange, lange Seiten und Kapitel hinweg immer wieder den „finalen“ Fehler (in den Bilanzen) zu finden – es gelingt nicht wirklich – dieser Spannungseffekt verpufft letztlich. Natürlich findet schließlich auch das (durchaus überraschende) Finale der Story dann auch seine Begründung in politischen Motiven und in den Tiefen von Machtstrukturen. Hm, … das kann man so gestalten – und ja: ich bin natürlich dran geblieben, wollte weiterlesen.

Dennoch bin ich mir etwas unschlüssig, einerseits ist die Skizzierung gesellschaftlicher Tendenzen durchaus gelungen und elegant vollzogen, ebenso sind die Charaktere authentisch und lebhaft – wenngleich Isa´s in der Geschichte eingewebte Suche nach der Freundin Mira zunächst sehr ausführlich und herzzerreißend beschrieben, dann aber unverständlicherweise ebenso schnell und unvermittelt erkaltet. Auf der anderen Seite fehlte mir der finale, wirklich „runde“ Lesefluss, der Zusammenhang, eben jener rote Faden einer fesselnden Story.

Fazit

Wenn der Anspruch (wie im Nachwort beschrieben) eine gesellschaftliche Kritik sein soll (Saygin beschreibt „Querdenker“ (wer immer hier sich eine Definition dieses Begriffes anmaßt) pauschal (!!!) als „hybride, zunehmend rechts unterwanderte und gewaltbereite populistische Bewegung, die sich skandalträchtig in Szene setzt und deren Finanzierungsquellen weitgehend intransparent bleiben“ und nimmt für sich in Anspruch „in diesem Roman auf diese gesellschaftlichen Bruchstellen in unserem Gemeinwesen hinzuweisen“, dann ist ihr das m.E. nicht so recht gelungen. Als fiktiver Roman, der die Gesellschaft der heutigen Zeit beschreibt ist er allemal gut zu lesen. (c) udomittendrin.de, Mär22

off topic: bitte Frau Saygin erklären Sie mir doch bitte, wer sich in dieser Gesellschaft das Recht herausnehmen darf, jemanden als „Querdenker“ zu bezeichnen, diesen gleichzeitig auch noch in eine vorgefertigte Schublade zu stecken, derweil sich jener nicht einmal die Mühe macht zu differenzieren oder gar zu hinterfragen, was denn der Unterschied zwischen jemandem der „quer denkt“ (zB out of the box (neudtsch)) und einem „Querdenker“ (wie ihn die Medien versuchen zu stigmatisieren) sein könnte. Die Antwort darauf wäre ggf. spannend. Mit freundlichen Grüßen.

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