Ein Narzisst gibt Einblicke
Max Pollux ist einer. Einer der Gefängnisse von innen kennt. Einer der ein paar Jahre Gitterstäbe rund um sich hatte, aber auch einer sich Dealer nannte und ein Intensivtäter war. Einer, dessen Diagnose „Narzisst“ lautet. Keine selbst erstellte Diagnose, sondern eine nach vielen, vielen, vielen Sitzungen mit professionellem Gegenüber erarbeitet und „frei gelegt“. Kein Ruhmensblatt, kein Grund stolz zu sein. Umso beachtlicher ist es, dass Pollux die Seiten gewechselt hat und an sich arbeitet. Unverändert. Tagaus tagein. Er ist Gründer des Vereins „SichtWaisen e.V.“, Antigewalt-Trainer, Buchautor und Vortragsredner. Er gibt ein wenig von dem zurück, was er der Gesellschaft genommen hat.
Sein Buch „Gefährliches Ego – wenn Narzissmus tödlich endet“ ist daher nicht nur eine Reflektion auf sich selbst (und vielleicht auch ein stückweit Therapie) sondern auch ein Blick auf die wahre Entstehungsgeschichte von „schlechten“ Biografien. Wie konnte ein Anders Behring Breivik zum einem Massenmörder werden, was geschah in der Kindheit von Joe Cinque und warum fühlt der Kindermörder und Entführer Gäfgen nicht einmal ansatzweise Reue im Fall Jakob Metzler. Pollux zeigt anhand von 8 Fallbeispielen, wie aus einem kleinen unschuldigen Menschen ein Täter wird. Er skizziert die Entwicklungsschritte und erklärt physiologische Vorgänge ebenso wie deren Ursache und furchtbare Folgen daraus.

Spannend und eindrucksvoll ist so ein Buch entstanden, dass Maximillian Pollux ein wenig „nackt“ aber sehr authentisch und letztlich ein stückweit „rehabilitiert“ dastehen lässt, ein Buch, dass acht spannende True Crime Fälle erklärt, ein Buch, dass hilft zu verstehen warum, wieso, weshalb aus Menschen Täter werden und wie gut eine Gesellschaft beraten wäre genauso solche Biografien zu verhindern oder deren explosive Gefährlichkeit zumindest rechtzeitig zu erkennen. Er lässt den Leser fassungslos den Kopf schütteln, bleibt aber die diagnostische Erklärung dazu nicht schuldig, was zumindest dazu beiträgt zu verstehen, wie es dazu kommen konnte.
Fazit: ein sehr lesenswertes und trotz teils wissenschaftlichem Tiefgang sehr gut lesbares Buch, ein Aufklärer, ein Wachrüttler. Auf jeden Fall aber auch eines: ein guter Grund am Ende der Lektüre Max Pollux ein ehrliches „gut gemacht“ zuzurufen und ihm ein „weiter so“ zu wünschen. Möge Deine Arbeit weiter Früchte tragen.
*** (c) udomittendrin, März26 ***