Asche auf mein Haupt, der Name war mir unbekannt, doch der Ruf eilte ihr voraus. Toby Beard sorgte im vergangenen Jahr auf dem Rosenheimer Sommerfestival als Vorband für keinen geringeren als Carlos Santana für Furore. Dementsprechend gut gefüllt war das schöne Rosenheimer Ballhaus, dementsprechend hoch meine Erwartung. Ich sollte nicht enttäuscht werden.

Toby Beard kam frisch eingeflogen aus ihrer Heimat Australien. Mit im Gepäck das neue Album „Here with me“ welches mit dem Song „Cyclone“ sogleich einen schwungvollen Anfang nahm. Die charismatische Stimme dieser Powerfrau und die unbändige Dynamik die sie mit sich trägt, springt ungefiltert aufs Publikum über. Einerlei ob melodisch feinfühlige Songs, wie das folgende „On the road“ oder das schwingende „Press rewind“ … die Band performt wie aus einem Guss. Vorneweg im Wortsinn tonangebend Tony Beard an der Akustik Gitarre, links und rechts flankiert von den Jungs an den Saiten: Max Lockitt (meist) am Bass sowie Jake Hatch an der E-Gitarre, bei dem ich mich schmunzelnd mitunter fragte: Epilepsie oder Ekstase? Letzteres wird zutreffend sein und bescheinigt die unbändige Leidenschaft der Musiker.

Die Setlist nimmt ihren Lauf, der Mix bleibt bunt und begeistert. Der Blues im „Pray for me“ nimmt die Zuhörer mit und Toby geht auf Tuchfühlung mit ihren Gästen. So entsteht eine Verbindung und man merkt, egal ob auf der Bühne oder im Saal: es ist stimmig, es groovt. „Lay you down“ aus dem neuen Album geht dem Klassiker „Cest l´amour“ voraus, welches mit ganzer Kraft das Ballhaus abholt.

Toby Beard ist so vielseitig wie die Bandbreite ihrer Musik, sie passt auf die großen Festivals dieser Welt ebenso wie in ein Wohnzimmerkonzert. Sie kann laut, sie kann leise, sie kann Rock, Blues, Folk aber auch die Ballade und den Songwriter. Reißt ihr die Saite und geht die Batterie ihrer Gitarre in die Knie, so improvisiert sie kurzerhand und spielt inmitten des Ballhaussaals unter dem Kronleuchter eine unplugged Straßenversion. Die Frau ist Power, die Band liefert zusätzliche Kraft. Der Drummer Jack Duffy bot an diesem Abend gar zwei grandiose Solis, bei einem unterstützte, wohin mit all der Power, Toby rhythmisch mit den Drumsticks überzeugend.
Alles in allem ein fulminanter Auftritt der jungen Australierin samt Band. Überzeugend, vielseitig, kraftvoll, dynamisch, sensibel und feinfühlig nahm sie das Ballhaus im Federstreich und für mich gilt fortan: den Namen merk ich mir.

*** © udo kewitsch, Feb26, Zeichen 2490 Zeilen 37 ***