Booze Club

Vollgas voraus

Booze Club & Lee Mayall überzeugen im Magazin4

Volles Rohr. Anders kann man es nicht beschreiben. Konkreter, um der Wahrheit die Ehre zu geben, muss es sogar heißen: volle Rohre. Nicht weniger als fünf Bläser standen am vergangenen Wochenende im Magazin4 auf der Bühne, unterstützt wurden sie von vier weiteren Musikern. 5x volles Rohr also, einerlei ob alle Arten von Saxophon oder Trompete, 4x perfekte Untermalung mit Keyboard (funky funky Winnie Saile), einer sehr groovigen Gitarre (griffig: Volker Schach) und rhythmusgebenden Bass (nicht zu unterschätzen: Albert Hautaler) sowie Schlagzeug (drückend: Markus Kranz). Es war also allen im ausverkauften Magazin4 klar: es gibt was auf die Ohren.

Philip Treichl (Gesang, Trompete, Saxophon, 1x Drums) hatte vom ersten Ton an, den Saal in Bewegung gebracht. Wie ein Fels in der Brandung sollte er die nächsten gut drei (!) Stunden alle nach vorne peitschen und für ordentlich Druckluft sorgen. Die Herren Max Brunninger (Tenor / Altsax, Gesang) und Franz Weber (Trompete) sowie Christine Eckert (Bariton Sax) sorgten für den richtigen Groove während der Sets. Als Special Guest kam dann kein geringerer als Lee Mayall (Saxophon) an Bord und heizte ab dem dritten Song endgültig auf Hochtemperatur auf.

Ein Kracher jagte den nächsten. „Gimme some lovin“ oder „She caught the Katy“, bei dem Lee sein erstes fulminantes, ja begeisterndes, Solo spielen sollte, folgten Candy Dulfers „Pick up the Pieces“ und das melodische „Still got the blues“. Mit Verlaub, ich benutze es nicht zu oft, aber in diesem Fall darf das Adjektiv „sensationell“ ohne Einschränkung Verwendung finden. Für internationalen Flair sorgt Lee Mayall (sein Vater ist Bruder der Blues Legende John Mayall) aus London, die Lokalmatadoren (aus dem Traunsteiner, Freilassinger, Reichenhaller Raum) fügten sich nahtlos ein. Das getriebene „Soul Man“, das überragende „Sweet home ….. Chicago“ (nicht zu verwechseln mit Alabama) und schließlich gegen Ende ein temporeiches „Proud Mary“ mit Gastsängerin: es war ein Konzert der Extraklasse. Zudem eines mit Weltpremiere: erstmals spielte der Booze Club an diesem Abend einen Song mit vier Saxephonen („Mercy, Mercy, Mercy“).

So mag es wenig verwundern, wenn sich niemand im Saal der Dynamik entziehen konnte, alle mitgerissen wurden vom Druck der Bläser, Fönfrisuren gab es nicht, dafür wurde zu sehr  geschwitzt. Der sympathische Lee Mayall, geboren in Salzburg, glänzte mit einer unglaublichen Bandbreite an spielerischer Qualität – die Tatsache, das er sich ohne jede Probe nahtlos in den Big Band Sound einreihte, belegt die Qualität aller Musiker an diesem Abend. Max Brunninger überraschte gelegentlich mit markanten Gesangseinlagen, Philipp Reichl, ohnehin nicht zu übersehen und zu überhören, war in jeder Disziplin ein Souverän. 

Drum sei es noch einmal wiederholt: ein sensationelles, druckvolles und erstklassiges Konzert auf hohem Niveau im gemütlichen Ambiente des Magazin4. Beste Stimmung, gegen Ende der Veranstaltung vielleicht ein paar Dezibel zu laut, alles in allem aber: volles Rohr – gerne wieder. 

By the way am 27.03.2020 ist es wieder soweit: Booze Club im Magazin3, Reichenhall !

*** © Udo Kewitsch, 08.02.15 / Zeichen 3091 / Zeilen 45   ***

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