Herbert Pixner Projekt

Herbert Pixner begeistert das Irschenberger Zirkuszelt 

Festival beim Dinzler glänzt mit bester Stimmung bei bestem Wetter 

Der Name klingt ja etwas sperrig. Das „Herbert Pixner Projekt“ ist jedoch alles andere als sperrig. Im Gegenteil: seidenweich, harmonisch und sehr, sehr „Ohr-kompatibel“. Wer ihn noch nicht kennt (es war mein erstes Pixner Konzert) darf sich zurücklehnen, überraschen lassen, mal sehen und vor allem hören was kommt. Es kommt gewaltig.

Allen voran Herbert Pixner, ein schmaler Mann, bescheiden grinsend setzt er sich, rückt die Harmonika zurecht, knotet seine Beine um die Stuhlbeine und beginnt zu plaudern. Einnehmend, ein wenig trockener Südtiroler Humor und vor allem eines: sympathisch. Scheinbar nahtlos geht es von seinen „Geschichterln“ über in die Musik. Instrumental verträumt, sehr melodisch und vor allem eines: wunderbar anders. Es ist keine Volksmusik, auch keine Folklore, keine Klangwelt, auch nicht reiner Blues oder gar Rock n Roll, nein, es ist von alledem ein wenig „Viel“. Viel gut, viel schön, viel Harmonie. Pixner schließt seine Augen und entschwindet mit seinen eigenen Noten, der Mann zu seiner Rechten ist der wunderbare Manuel Randi, ihm zuzusehen ersetzt mühelos einen zweistündigen Kinofilm. Der Mann zelebriert seine Gitarren, geradezu virtuos spielt er mit den Saiten, zupft, streicht, kämmt, wummert er seine Instrumente – und während er all dies tut, spielt und spiegelt sich in seinem Gesicht die gesamte Tonfolge wieder. Geht es rhythmisch voran, ist der Ausdruck ein sehr dynamischer, wird es verträumt und sinnlich, ist die Mimik entsprechend. Kurzum: Gitarre plus Ausdruck = Note 1+. Heidi Pixner an der Harfe unterstützt das Quartett. Ebenso auch Werner Unterlercher, der von Herbert Pixner als der Mann mit den Stahlseilen vorgestellt wird, der ein Gefühl wie Uhrwerk hat. Recht hat er, der Pixner.

Das Konzert im ausverkauftem Zirkuszelt am Irschenberg geht seinen Gang, Pixner streut immer wieder kleine, schelmische Erzählungen ein, nimmt seine Zuhörer mit. So auch bei seiner Geschichte vom „Stirb langsam, Brandner“  oder der in einem Schweizer Senner-Tagebuch gefundene Sage von den drei Hirten und der Menschgewordenen Puppe. „Morgenrot“ – für mich der eindrucksvollste Song – soll bitteschön gerne mit geschlossenen Augen genossen werden. Wenn man an den steilen Südtiroler Wiesenhängen sitzt und der Morgentau sich langsam verflüchtigt, die Welt noch nicht erwacht ist und die Zeit in diesem Moment still steht, dann ist „Morgenrot“ Balsam für die Seele. Manuel Randi zelebriert seine Gitarre und Pixner mit ihm eines seiner zahlreichen Instrumente. Harmonika, Klarinette, Trompete, Horn, Saxophon, all das und irgendwie scheint das Reportoire schier unerschöpflich. Er macht aus einem Zwiefachen einen Threefachen und aus einem Blues einen halben Walzer im ¾ Takt. Er schlägt ein Tempo an, dass so steil ist wie die Hänge im Passeier Tal und er kann auch Ballade, die so sanft,fein und warm ist, wie Südtiroler Sonnenstrahlen.

Alles in allem, ein herrlich unaufgeregtes Konzert, von einem sehr authentischen Herbert Pixner, der besonders mit Unterstützung durch Gitarre und Kontrabass eine Musik zaubert, die an diesem Abend den Irschenberg begeisterte. Umso dankbarer war das Publikum für zwei wunderbare Zugaben. Herbert Pixner Projekt von wegen „sperrig“ – ein tolles Konzert in einem tollen Ambiente. 

*** © Udo Kewitsch / Zeichen 3369, Zeilen 45   ***

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