{"id":797,"date":"2022-03-15T20:11:30","date_gmt":"2022-03-15T19:11:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.udomittendrin.de\/udomittendrin\/wordpress\/?p=797"},"modified":"2022-03-15T20:11:30","modified_gmt":"2022-03-15T19:11:30","slug":"crash-susanne-saygin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.udomittendrin.de\/udomittendrin\/wordpress\/2022\/03\/15\/crash-susanne-saygin\/","title":{"rendered":"Crash &#8211; Susanne Saygin"},"content":{"rendered":"\n<p>Der Klappentext gibt Aufschluss:<\/p>\n\n\n\n<p>Torsten Wolf steht unter Druck. Nach dem \u00fcberraschenden Tod des Bauunternehmers Christof Nolden soll der Berliner Anwalt nun dessen Gesch\u00e4fte lenken. Aber Wolf st\u00f6\u00dft im deutschlandweit agierenden Nolden-Konzern bald auf Ungereimtheiten &#8211; und auf massiven Widerstand im Unternehmen. Als Wolfs Assistentin spurlos verschwindet, deutet alles auf einen Zusammenhang mit den Gesch\u00e4ften des Immobilienkonzerns hin. Gemeinsam mit Isa Kurzeck, die bereits seit Jahren zu den kriminellen Machenschaften von Nolden-Bau recherchiert, versucht Wolf Licht ins Dunkel zu bringen. Aber je tiefer die beiden in die Konzernstrukturen eintauchen, desto deutlicher wird, dass es l\u00e4ngst nicht mehr um die Geschicke eines Unternehmens geht, sondern um den Zusammenhalt unserer ganzen Gesellschaft.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Mein pers\u00f6nliches Leseerlebnis<\/h2>\n\n\n\n<p>Ich war gespannt. Und der Einstieg machte es mir leicht. Die Story nimmt schnell Fahrt auf und kommt gut rein &#8222;ins Buch&#8220; &#8230; knapp 400 Seiten Wolf, Nolden und Isas Suche nach Mira. Dem Leser werden auch immer wieder &#8222;andere Spuren&#8220; gelegt, die zu interpretieren nicht sofort jedermanns Sache ist. Bandenwerbung, Spruchplakate, wiederkehrende Slogans, die zun\u00e4chst (scheinbar?) mit der Handlung nichts zu tun haben. Der Protagonist Torsten Wolf wird als Charakter gut vermittelt. Mit Verlaub, er scheint ein ziemliches Ekel zu sein, aber auch hier wieder: einerseits. Andererseits ist er der Vater, der einsame (leidende) Ehemann, verletzlich. Das Buch verstrickt sich gelegentlich etwas in der Erz\u00e4hlung, kommt nicht immer so ganz z\u00fcgig voran und doch gelingt es der Autorin Saygin immer noch rechtzeitig der Haken zur\u00fcck zum Strang. Die Erl\u00e4uterung am Ende des Buches, machen es ein st\u00fcckweit verst\u00e4ndlicher &#8211; wenngleich mir pers\u00f6nlich diese Herleitung in die Welt der Politik und die gewollte Bezugnahme auf Rechtspopulismus und der Bek\u00e4mpfung von selbigen einfach zu weit hergeholt ist. Wolf versucht \u00fcber lange, lange Seiten und Kapitel hinweg immer wieder den &#8222;finalen&#8220; Fehler (in den Bilanzen) zu finden &#8211; es gelingt nicht wirklich &#8211; dieser Spannungseffekt verpufft letztlich. Nat\u00fcrlich findet schlie\u00dflich auch das (durchaus \u00fcberraschende) Finale der Story dann auch seine Begr\u00fcndung in politischen Motiven und in den Tiefen von Machtstrukturen. Hm, &#8230; das kann man so gestalten &#8211; und ja: ich bin nat\u00fcrlich dran geblieben, wollte weiterlesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch bin ich mir etwas unschl\u00fcssig, einerseits ist die Skizzierung gesellschaftlicher Tendenzen durchaus gelungen und elegant vollzogen, ebenso sind die Charaktere authentisch und lebhaft &#8211; wenngleich Isa\u00b4s in der Geschichte eingewebte Suche nach der  Freundin Mira zun\u00e4chst sehr ausf\u00fchrlich und herzzerrei\u00dfend beschrieben, dann aber unverst\u00e4ndlicherweise ebenso schnell und unvermittelt erkaltet. Auf der anderen Seite fehlte mir der finale, wirklich &#8222;runde&#8220; Lesefluss, der Zusammenhang, eben jener rote Faden einer fesselnden Story.  <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h2>\n\n\n\n<p>Wenn der Anspruch (wie im Nachwort beschrieben) eine gesellschaftliche Kritik sein soll (Saygin beschreibt &#8222;Querdenker&#8220; (wer immer hier sich eine Definition dieses Begriffes anma\u00dft) <strong>pauschal<\/strong> (!!!) als &#8222;hybride, zunehmend rechts unterwanderte und gewaltbereite populistische Bewegung, die sich skandaltr\u00e4chtig in Szene setzt und deren Finanzierungsquellen weitgehend intransparent bleiben&#8220; und nimmt f\u00fcr sich in Anspruch &#8222;in diesem Roman auf diese gesellschaftlichen Bruchstellen in unserem Gemeinwesen hinzuweisen&#8220;, dann ist ihr das m.E. nicht so recht gelungen. Als fiktiver Roman, der die Gesellschaft der heutigen Zeit beschreibt ist er allemal gut zu lesen. (c) udomittendrin.de, M\u00e4r22<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211;<\/p>\n\n\n\n<p>off topic: bitte Frau Saygin erkl\u00e4ren Sie mir doch bitte, wer sich in dieser Gesellschaft das Recht herausnehmen darf, jemanden als &#8222;Querdenker&#8220; zu bezeichnen, diesen gleichzeitig auch noch in eine vorgefertigte Schublade zu stecken, derweil sich jener nicht einmal die M\u00fche macht zu differenzieren oder gar zu hinterfragen, was denn der Unterschied zwischen jemandem der &#8222;quer denkt&#8220; (zB out of the box (neudtsch)) und einem &#8222;Querdenker&#8220; (wie ihn die Medien versuchen zu stigmatisieren) sein k\u00f6nnte. Die Antwort darauf w\u00e4re ggf. spannend. Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"121\" height=\"183\" src=\"https:\/\/www.udomittendrin.de\/udomittendrin\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/crash.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-790\"\/><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Klappentext gibt Aufschluss: Torsten Wolf steht unter Druck. Nach dem \u00fcberraschenden Tod des Bauunternehmers Christof Nolden soll der Berliner Anwalt nun dessen Gesch\u00e4fte lenken. Aber Wolf st\u00f6\u00dft im deutschlandweit agierenden Nolden-Konzern bald auf Ungereimtheiten &#8211; und auf massiven Widerstand im Unternehmen. 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