{"id":73,"date":"2017-09-22T20:00:16","date_gmt":"2017-09-22T18:00:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.udomittendrin.de\/udomittendrin\/wordpress\/?p=73"},"modified":"2019-11-20T18:25:24","modified_gmt":"2019-11-20T17:25:24","slug":"stefan-kroell","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.udomittendrin.de\/udomittendrin\/wordpress\/2017\/09\/22\/stefan-kroell\/","title":{"rendered":"Stefan Kr\u00f6ll"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Gruam \u2013 ganz unten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Stefan Kr\u00f6ll \u00fcberzeugte erneut im Magazin4<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGruam\u201c. Kaum das man es richtig aussprechen kann. Gruam, die Grube, gemeint ist alles was d\u00fcster, muffig und geheimnisvoll ist. Man k\u00f6nnte auch sagen: der Mist, der durchs Gitter f\u00e4llt, das was gern verdr\u00e4ngt oder gar totgeschwiegen wird, was nur in Sagen, Mythen oder in geheimen Verschw\u00f6rungstheorien \u00fcberlebt. Willkommen im neuen Programm von Stefan Kr\u00f6ll.<\/p>\n\n\n\n<p>Gruam. Der Abgrund als Faszination. Denkt man f\u00fcr gew\u00f6hnlich beim Stichwort Bayern&nbsp; gern an einen wei\u00dfblauen Himmel, an grasgr\u00fcne Weiden vor Alpenpanorama oder glitzernde Seen, oder gar an schillernde (geheimsumwobene) K\u00f6nige und Reichtum, so ist der Umgang mit dem Thema \u201eGruam\u201c ein Kapitel \u201eunter der Hand\u201c, aber doch stets latent vorhanden \u2013 viel zu interessant was \u201edort alles vor sich geht\u201c.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Stefan Kr\u00f6ll, der erfolgreiche oberbayerische Kabarettist und Erz\u00e4hler in Sachen Bayerische Geschichte, hat sich der \u201eGruam\u201c gewidmet. Mutig stellt er sich an den Rand verbotener Abgr\u00fcnde, wirft einen Blick in tiefe Keller oder hinter aufpolierte Kulissen, gern mit dem Vergr\u00f6\u00dferungsglas in der Hand. Spannend plauderte Kr\u00f6ll in sch\u00f6nstem, &nbsp;den Ohren schmeichelndem Oberbairisch \u00fcber Geheimnisse, Mythen und Aberglauben im Freistaat. Schnell hing ihm das Publikum im Magazin4 an den Lippen, wurde zwischen dem Hier und Jetzt auch in \u201ewaxe Gschicht\u201c von anno dazumal oder in eine verruchte Anekdote verwoben. Die \u201eGruam\u201c machte es m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p>Stefan Kr\u00f6ll brachte das Publikum immer wieder heil ins \u201eHier und Jetzt\u201c zur\u00fcck. So trafen Hexenverbrennungen und die BILD &#8211; Zeitung ebenso aufeinander wie Schillers \u201eR\u00e4uber\u201c und der facettenreiche &#8222;Boarisch Hiasl&#8220;.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kabarett-Landschaft ist ja eine etwas unwegsame. Klamauk, Stand-Up, oder neudeutsche selbsternannte Comedians pr\u00e4sentieren landauf, landab gerne auch mal flache Fl\u00e4chen und grenzwertige Pointen am Rande des guten Geschmacks. Die Politsatire kommt in die Jahre, die Frisur einer Merkel lockt schon lange keinen Lacher mehr hervor, und die Jokes auf Kosten anderer waren schon immer im Bereich der unteren G\u00fcrtellinie. Was fehlt? Die Frage muss korrekterweise lauten: was fehlte? Es fehlte vielerorts am Wortwitz, der niveauvoll Information transportiert, dabei trotzdem den Schalk auf der Zunge mit sich tr\u00e4gt \u2013 nicht anklagend, nicht trotzig, sondern humorig wertig. Stefan Kr\u00f6ll, der ehemalige Hochzeitslader aus Bad Aibling hat die B\u00fchne endg\u00fcltig f\u00fcr sich entdeckt und pr\u00e4sentierte sein zweites Programm \u201eGruam\u201c in der Reichenhaller Saline, im Magazin4.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Es sind die zarten Pointen, die das Programm eines Kr\u00f6ll so wertig machen, keine marktschreierischen Kalauer, sondern geschickt platzierte Narreteien, im rechten Moment eingef\u00fcgt, ab und an \u00fcberzeichnet er bewusst. Er berichtet stolz, das seine Kinder in der Schule \u00fcber ihn sagen \u201eder Papa ist schon \u00fcber 40, aber geistig noch voll da\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Stefan Kr\u00f6ll spannt einen weiten Bogen von den Bettlern im Mittelalter die damals schon durch geheime Zeichen (durchgestrichener Punkt mit 3 Halbkreisen) auf nicht vorhandenes WLAN hinwiesen bis hin zu leicht entfremdeten Zitaten aus Goethes \u201eFaust\u201c. Er greift zum Piano und weist daraufhin, dass 30% der T\u00f6ne falsch sein m\u00fcssen, damit das eine Gema-freie Darbietung wird. Erkennbar bleibt \u201eRiders on the storm\u201c (Doors) dennoch, auch wenn der Komponist mit dieser Version sicher nichts zu tun haben will.<\/p>\n\n\n\n<p>Das dankbare Publikum im Magazin4 erf\u00e4hrt viel \u00fcber die sogenannten \u201eschwarzen Frauen\u201c, nein, nicht \u00fcber Hadertauer und die Frau Hohlmeier, sondern zum Beispiel von Adele Spitzeder, die damals (1870) eine Bank mit dem Prinzip Hoffnung er\u00f6ffnete und jedem reiche Rendite versprach, er berichtet von der Geschichte der heiligen Afra, die ein Freudenhaus in Augsburg betrieb und davon dass das Z\u00f6libat nicht von Jesus ausgegeben, sondern 300 Jahre sp\u00e4ter vom Bodenpersonal verk\u00fcndet wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist die ruhige Erz\u00e4hlweise eines Kr\u00f6ll, der Informationsgehalt (und damit die Seriosit\u00e4t) gepaart mit Wortwitz und viel Schalk im Mundwinkel, der in Reichenhall zu \u00fcberzeugen wusste. Bavaria, 1860 M\u00fcnchen, Europ\u00e4ische Zentralbank, und vieles mehr eingebettet in so manches intelligentes Wortspiel machen aus einem Kabarettprogramm einen hochwertigen, \u00e4u\u00dferst unterhaltsamen Abend. Alles andere als flach. H\u00f6renswert und sehr sympathisch aufbereitet. Gerne mehr aus der \u201eGruam\u201c.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>*** \u00a9 Udo Kewitsch, 25.09.17 ***<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gruam \u2013 ganz unten Stefan Kr\u00f6ll \u00fcberzeugte erneut im Magazin4 \u201eGruam\u201c. Kaum das man es richtig aussprechen kann. Gruam, die Grube, gemeint ist alles was d\u00fcster, muffig und geheimnisvoll ist. 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